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GLIEDERSCHMERZEN
weiterer Suchbegriff:
Chronische Gliederschmerzen
Teil 1
(Chronische)
Gliederschmerzen, also
Schmerzen in den
Arme
n und
Beine
n, kommen als alleiniges bzw.
vorherrschendes Krankheitszeichen nur bei wenigen Erkrankungen vor. Es sind dies
hauptsächlich:
-
Polyneuropathie
(bei der Zuckerkrankheit,
Alkoholmißbrauch und Vergiftungen)
-
Raynaud-Syndrom
(weitere Bezeichnungen:
Morbus Raynaud,
Raynaud Krankheit)
(z.B. bei Kollagenosen (= Bindegewebserkrankungen),
Ergotismus)
- Polyarthritis ((z.B.
Gelenkschmerzen bei primär
chronischer
Polyarthritis (PcP))
Ein
Schmerz im Bereich der oberen
G lieder wird medizinisch als "Brachialgie", oder auch (oft
fälschlicherweise) als "Armneuralgie"
bezeichnet. Mögliche Ursachen sind:
- Die echte (idiopath ische)
Neuralgie
des Pl exus
brachialis (=
schmerzhaftes Armnervengeflecht) mit
attackenförmigem Schmerzcharakter ist ein sehr seltenes Krankheitsbild.
Die
Therapie erfolgt primär medikamentös. Das Mittel der Wahl ist Carbamazepin
(= ein Mittel gegen die Fallsucht, aber auch bei dieser Art
von Ar mschmerzen wirksam). Gabapentin (z.B. Neurontin®) oder Pregabalin (Lyrica®) wirken
oft besser, sind aber deutlich teurer. Bei Auftreten unerwünschter
Nebenwirkungen in höherer Dosierung kann Carbamazepin oder auch Gabapentin
bzw. Pregabalin
mit Baclofen (= ein im Gehirn /
Rücken
mark wirkendes Mittel zur Muskel
entspannung) kombiniert werden.
Der Begriff "Armneuralgie" ist eigentlich nur bei dieser
Erkrankung angebracht.
- Bei der sog.
Brachialgia paraesthetica
nocturna bestehen
schmerzhafte Mißempfindungen im Bereich der oberen G
lieder besonders während der Nachtruhe,
wahrscheinlich hervorgerufen durch vegetativ-vasomotor ische (=
Gefäße und
Muskeln
betreffende) Dysregulation, meist als Folge
einer Fehllagerung ("Parkbanksyndrom"). Je nach Ausmaß oder
Häufigkeit der Irritation oder Störung können sich durchaus
längerfristige
Gliederschmerzen einstellen. Therapiemöglichkeiten siehe unten.
- Die
Neuritis des Pl exus
brachial is (neuralgische
Schulteramyotrophie) (=
En tzündung des
Armnervengeflechts) soll allergisch entzündlicher Ursache sein (Thoden
1987). Die Schmerzen setzen plötzlich ein und imponieren als akute
Zervikobrachialgie
(=
Nacken-Schulter-Arm-Syndrom).
Nach mehreren Tagen treten Lähmungen von
Schulter- und
Arm
muskeln auf,
Sensibilitätsstörungen (= Gefühlsstörungen)
kommen höchstens in 20-30 % vor.
Die Prognose (=
Vorhersage, der Verlauf) ist günstig, die motorischen Ausfälle (=
Lähmungen) bilden sich von selbst langsam (über Monate)
zurück.
Zur Therapie dieser Gliederschmerzen werden Antiphlogistika (z.B. Phenylbutazon,
Salicylate) (= entzündungshemmende Mittel)
bzw. nichtsteroidale Antirheumatika (z.B. Diclofenac, Indometazin)
eingesetzt, oder interskalenäre
Plexusblockade
n (=
Betäubungen des Armnervengeflechts im seitlichen Halsbereich)
durchgeführt.
Im akuten Stadium ist das Mittel der Wahl Cortison
(z.B. 60 mg Prednisolon/Tag, dann über 2 Wochen rasch absteigend dosieren).
-
Schulter-Hand-Syndrom.
Nicht selten
geht ein Schmerz in den oberen Gl
iedmaßen von einzelnen
Gelenk
en in der
Schulter
-
Arm-Region aus und
strahlt
dann in den gesamten Bereich aus, so daß es schwierig werden kann, den
primären Schmerzherd überhaupt zu finden (Debrunner 1988).
Typischerweise besteht ein
Ruheschmerz mit Schmerzverstärkung bei
Belastung. Manchmal treten vegetative Begleitsymptome wie Kälte, Zyanose
(=
bläuliche Verfärbung) oder Schwitzen auf, so daß die
Unterscheidung von einer
Sudeckschen
Dystrophie (Morbus
Sudeck bzw.
Komplexes
regionales Schmerzsyndrom Typ I) (= eine
spezielle schmerzhafte Organstörung) schwerfällt, besonders
wenn Gewebsatrophien (= Gewebeschwund)
vorhanden sind.
Therapeutisch ist in der akuten Phase die Gabe von
nichtsteroidalen Antirheumatika (z.B. Naproxen) hilfreich. Vor allem beim
Vorliegen von
raynaud
-artigen (Morbus
Raynaud !),
vegetativen Begleiterscheinungen (z.B. Kälte, bläuliche
Verfärbung, Schweißbildung) hat sich die wiederholte
Plexusblockade (=
Betäubungen des Armnervengeflechts) sehr bewährt, optimal
kontinuierlich
mit Katheter. Zur
Förderung der Durchblutung ist auch eine oberflächliche Kältebehandlung
mittels Kaltluftgenerator empfehlenswert.
Physiotherapeutische Methoden
(=
Krankengymnastik und Anwendungen) runden das Behandlungskonzept
ab.
-
Engpaßsyndrome
können ebenfalls
einen Schmerz der oberen Gl iedmaßen verursachen. Das
Skalenussyndrom
entsteht durch Kompression der Nervenstränge aus den Wurzeln C8-Th1 im
Bereich der
S
kalenuslücke
(= Lücke zwischen zwei
Muskeln
im seitlichen Halsbereich) , hauptsächlich durch
eine Halsrippe, aber auch durch Bindegewebsstränge oder höhergradige
Muskel
verspannungen. Die Beschwerden treten deutlich belastungsabhängig
auf, insbesondere bei Zugbelastung (Tragen von Koffern, Taschen usw.). Die
dominierenden Schmerzlokalisationen sind ellenseitiger
Unterarm und
Hand. Im
fortgeschrittenen Stadium mit
Nervenläsionen
(=
Nervenstörungen,
Nervenschädigungen) treten Lähmungen der kleinen
Hand
muskeln auf. Durch zusätzliche Verengung der A. subclavia
(=
Schlagader unter dem Schlüsselbein) in der Skalenuslücke
können Mikroembolien (= kleinste Blutgerinnsel)
entstehen, die feine
Finger
gefäße verschließen und eine vaskuläre
Symptomatik (= Krankheitszeichen bei
Blutgefäßschädigung) hervorrufen (Ostheim 1976).
Zur
Therapie empfiehlt sich bei stark verspannter Skalenus
muskulatur die wiederholte
Infiltration mit einem lang wirkenden örtlichen Betäubungsmittel, die
Vermeidung von schmerzauslösenden oder verstärkenden Belastungen, in
hartnäckigen Fällen, insbesondere bei Auftreten eines neurologischen
Defizits (= gestörte Nervenfunktion), eine
Operation. Der
Pl
exus
brach
ialis (= das Armnervengeflecht)
kann auch zwischen Schlüsselbein und 1. Rippe komprimiert (=
eingedrückt) werden. Besonders bei Rückführung der
Schulter
unter Zug, wie beim Tragen eines Rucksackes, treten ausstrahlende Schmerz
en
auf.
Die Therapie besteht in der Vermeidung von typischen
Belastungen. Nur in seltenen Fällen wird man sich zur operativen Entfernung
der 1. Rippe entschließen.
Der Vollständigkeit halber sei noch das sog.
Hyperabduktionssyndrom
erwähnt. Die Schmerz en treten bei Tätigkeiten auf, die über Scheitelhöhe
ausgeübt werden (z.B. Arbeiten an der Zimmerdecke). Die Ursache ist eine
Nervenkompression
des Armpl
exus zwischen Korakoid
(=
"Rabenschnabelfortsatz" am oberen Schulterblattrand)
und M. pectoralis minor (= kleiner Brustmuskel),
nahe dem Ansatz.
Therapeutisch können Infiltrationen mit einem örtlichen
Betäubungsmittel unternommen werden.
- Vertebrageninduzierte (= von
der
Wirbelsäule ausgehende)
Gliederschmerzen kommen
im
Armbereich am häufigsten vor. Sie treten im Rahmen eines unteren
Zervikalsyndrom
s auf (auch als
Zervikobrachialgie,
Schulter-Arm-Syndrom
oder
Nacken-Schulter-Arm-Syndrom bezeichnet). Da die Wurzeln C6-8 und
Th1 betroffen sind, können Beschwerden bis in den Kleinfinger ausstrahlen.
Ein richtungsweisender Schmerz im
Nackencken - oder
Schulterbereich muß nicht
zwingend vorhanden sein. Streng genommen geht die
Zervikobrachialgie
(Schulter-Arm-Syndrom
oder oder
Nac
ken-Schul
ter-Ar
m-Syndrom) mit einer
radikulären Symptomatik
(= Krankheitszeichen infolge
eines geschädigten Nervs) einher (Debrunner 1988). Die
pseudoradikuläre Ausstrahlung
(= Schmerzausstrahlung
infolge eines scheinbar geschädigten Nervs) in die
Ar
me fällt
noch unter den Begriff "Zervikal-Syndrom"
(Cervikalsyndrom).
Vertebragen (= von
der
Wir
belsäule ausgehende) induzierte
Ar
m- bzw.
Gliederschmerzen sprechen am besten auf die kontinuierliche, retrograd hohe
Blockade des
Pl
exus
brach
ialis mit Katheter an (siehe unten).
- Relativ häufig treten starke
Ar m - bzw.
Gliederschmerzen
nach
radikaler
Mastektomie
(= operative Entfernung der
weiblichen
Brust mit Ausräumung der Achselhöhle) auf, bedingt
durch Plexuskom
pression infolge einer
Lym
phabflußstörung.
Der
Ar
m ist
dabei unübersehbar stark ödematös (= wie bei einer
krankhaften Flüssigkeitsansammlung) aufgequollen. Zur Förderung des
Lymphabflusses wird der
Ar
m mittels einer
Hand
schlinge an einem Gestell
(Bettgalgen, Infusionsständer) mehrere Tage permanent über die Horizontale
angehoben. Zur Unterstützung der abschwellenden Maßnahmen dient die Gabe
eines milden Diuretikums (= harntreibendes Mittel)
sowie regelmäßige manuelle Lymphdrainage. Zusätzlich können
interskalenäre Blockaden des
Pl
exus
brach
ialis durchgeführt werden.
Nach
Teilabschwellung gelingt dann häufig auch die Implantation eines
axillären
Plexuskatheters, der für weitere 10-14 Tage regelmäßig mehrmals täglich
mit 10-15 ml Bupivacain bedient wird (siehe unten). Mit den genannten
Therapiemaßnahmen kann in fast allen Fällen eine zufriedenstellende
Schmerzsituation herbeigeführt werden.
-
Ar
mschmerzen nach Bestrahlung
(Plexusneuritis).
Heftige
Plexusschmerzen
(= Schmerz, ausgehend vom
Armnervengeflecht) mit neurologischen Defiziten
(=
Zeichen einer
Ner
venstörung, -schädigung) können auch Folge
einer Röntgenbestrahlung der supraklavikulären (=
oberhalb des Schlüsselbeins) oder Achselhöhlenregion bei
Brustkrebs sein. In der Regel ist das subkutane Gewebe derb fibrosiert (Strahlenfibrose)
(= Verhärtung des Hautuntergewebes). Hinzu kann eine
Lymphschwellung des Armes treten. Bei fehlender oder gering ausgeprägter
Fibrosierung muß eine Plexuskarzinoma
tose
(= Durchsetzung
des Armnervengeflechts mit Tochtergeschwülsten) in Betracht
gezogen werden.
Die Behandlung dieser Gliederschmerzen ist sehr schwierig. Bei strahlenbedingten
krankhaften Hautveränderungen ist das Entzündungsrisiko bei Durchführung
einer
Nervenblockade stark erhöht.
Peripher wirkende
Analgetika
(= Schmerzmittel die überwiegend nur im Schmerzbereich wirken)
sind meist ungenügend wirksam.
Nach Thoden (1987) bleiben nur die
epidurale (= rückenmarknahe) elektrische
Rückenmarksreizung oder die hochzervikale Chordotomie
(=
operative Durchtrennung der Schmerzbahn im oberen Rückenmark).
-
Epicondylitis
radia
lis humeri. Bei dieser
relativ häufigen Erkrankung klagen die Patienten über einen Schmerz im Bereich
des Epicond
ylus
radia
lis humeri (= über dem
Ellenbogen
außen), der sich bei Faustschluß und kräftiger Dorsalextension
(= Beugung in Richtung
Han
drücken) im
Handgelenk
verstärkt. Nicht selten strahlt der Schmerz in
Unterarm
und/oder
Oberarm aus, so daß dann der ganze
Ar
m schmerzt. Regelmäßig
besteht ein deutlicher Druckschmerz im Bereich des
ellbogen
nahen äußeren
Unterarmes. Die Ursache des chronischen Entzündungszustandes im Bereich der
Sehnen
ansätze am Epicond
ylus
radia
lis humeri ist nicht geklärt; vieles
spricht für eine mechanische Auslösung (Tennisarm,
Tennisellenbogen).
Therapeutisch kann bei diesen Extremi
tätenschmerzen ein Versuch mit
Infiltrationen mit einem örtlichen
Betäubungsmittel, auch mit Kortikoidzusatz, unternommen werden. Dabei muß allerdings ein Kontakt der
Kanülenspitze mit der
Knochenhaut unbedingt vermieden werden, da damit
häufig heftigste, anhaltende Schmerzreaktionen ausgelöst werden können.
Nicht selten hilft nur eine längerfristige kontinuierliche
Plexus brach
ialis-Blockade
mit Katheter (siehe unten).
Auch eine Behandlung mit
Röntgenstrahlen kann bei Gliederschmerzen hilfreich sein (Thomalske 1991). Manchmal
ist auch eine deutliche Besserung durch die Iontophorese (=
Einbringung eines Arzneimittels durch die Haut mit Hilfe von Gleichstrom)
(z.B. mit Diclofenac) zu erzielen. Die Behandlungsmaßnahmen eignen sich in
gleicher Weise für die seltenere
Epicondylitis ulnaris humeri (Golferellbogen)
(=
Schmerz an der Innenseite des Ellenbogens).
- Zu erwähnen wäre noch das
Karpaltunnel-Syndrom,
das manchmal auch in den ganzen
Ar
m einstrahlen kann.
Gliederschmerzen in den unteren Extrem itäten (Be ine) können
durch unterschiedlichste Erkrankungen hervorgerufen werden. Der besseren
Übersicht wegen werden diese in vier Hauptgruppen unterteilt:
-
Bein - bzw.
Gliederschmerzen
bei denen der
Ischias
nerv (N. ischiadicus)
einschließlich seiner Endäste beteiligt ist, bzw. die Schmerzreizleitung
ausschließlich oder überwiegend über diesen Nerv erfolgt.
- Be i n- bzw.
Gliederschmerzen bei denen der vordere
Oberschenkel
nerv
(N. femoralis) einschließlich seiner Endäste beteiligt ist, bzw. die
Schmerzreizleitung ausschließlich oder überwiegend über diesen Nerv
erfolgt.
- Be i n- bzw.
Gliederschmerzen, bei denen (andere) Nerven
des Pl exus
lumbalis (= Nervengeflecht dessen Wurzeln dem
Rückenmark
der mehr oberen
Lendenwirbelsäule
entstammen) beteiligt sind,
bzw. die Schmerzreizleitung über diese Ner ven
erfolgt.
- Be i n- bzw.
Gliederschmerzen die von den Blutgefäßen (Adern,
Schlagadern) ausgehen.
ad1: Der Begriff "Ischialgie"
beschreibt
Beinschmerzen, die
im Verlauf des
Ischias
-Nervs
(Gesäß, rückwärtiger
Ober-, äußerer und hinterer
Unterschenkel sowie
Fuß bis zur
Großzehe vor) auftreten, wobei die
Schmerz en
aber nicht den kompletten
Nervenverlauf umfassen müssen, sondern es können je nach Ursache auch einzelne
Abschnitte betroffen sein.
Eine der häufigsten Schmerzursachen für einen
Beinschmerz im
Ausbreitungsgebiet des
Ischias ist der periphere
Projektionsschmerz (= mehr oberflächliche
Schmerzausstrahlung bzw. Schmerzverlagerung) bei Affektionen (=
Störungen, Erkrankungen) der spinalen (= das
Rückenmark betreffenden)
Nervenwurzel
n L4-S3. Eine Ischialg ie
geht häufiger mit Schmerz
en
Lumbalbereich (Lumbalgie
oder
Lumbago) einher, in diesem Falle lautet die Diagnose
dann
Lumboischialgie.
Hier gelangen Sie zur Fortsetzung (Teil 2):
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Hier noch eine
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Das Bundesministerium für Gesundheit teilt auf der
Web-Seite der Bundesregierung
mit, dass
alle Versicherte (also auch ältere Patienten) einer gesetzlichen
Krankenkasse einen
Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation haben und sich ihre
REHA-Klink sogar selbst aussuchen dürfen. Lesen Sie dazu auch einen
Brief
des Bundesgesundheitsministeriums an die Sozialministerien der Länder als
Aufsichtsbehörde der gesetzlichen Krankenkassen.
Dieses
Wahlrecht wurde mittlerweile auch durch Urteile von
Landessozialgerichten bestätigt.
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